Tamara Grcic
have you been here before?

26. April bis 2. Juli 2017

Die Künstlerin Tamara Grcic, die im Wechsel mit Installationen, Fotografie oder Film arbeitet, entwickelte für die Opelvillen eine neue, eigenständige Sound-Arbeit mit dem Titel have you been here before?.

Am Anfang stand das Interesse von Tamara Grcic für Heterophonie. Der Begriff stammt aus der Musik und bezeichnet die Vielstimmigkeit, den Verschiedenklang einer musikalischen Notation. Ferner war die Bevölkerungsstruktur von Rüsselsheim, die sich aus über hundert verschiedenen Nationalitäten zusammensetzt, Ausgangspunkt ihrer Überlegungen. Es war die Intention der Künstlerin, für das Rüsselsheimer Ausstellungshaus eine Choreografie zu schaffen, in der sich der Begriff der Nationen zugunsten einer großen Struktur auflöst und sich Unterschiedlichkeiten vermischen, um eine offene, durchlässige Vielfalt zu erzeugen.

Entstanden ist eine Sound-Arbeit, die das gesamte Ausstellungshaus besetzt. In jedem Raum klingen Stimmen, männliche, weibliche, junge oder alte. Tamara Grcic hat Menschen verschiedener Nationen getroffen und viele Interviews geführt mit der Bitte, ein Zimmer oder Haus zu beschreiben, das für sie in irgendeiner Weise Bedeutung hat. Darüber hinaus bat Tamara Grcic die Befragten, ein Lied in ihrer Muttersprache zu singen.

Die Inhalte der Aufnahmen bleiben in ihren Sprachen geschützt, sie werden nicht übersetzt. Tamara Grcic interessieren Sprache als abstraktes, klangliches System und ihre verschiedenen Klangfarben. Wie in einer abstrakten Komposition fügt die Künstlerin unterschiedliche Tonsequenzen zusammen. So hat sie für die Räume der Opelvillen aus dem gesamten Tonmaterial dreizehn verschiedene Hörstücke zusammengebaut.

Auf unterschiedliche Weise lässt sie die Stimmen zusammenfließen. Sie scheinen im Raum hin- und herzuspringen, in einen Dialog miteinander zu treten, sich abzuwechseln oder zu vermischen. In der Abfolge der Räume greifen die Stimmen ineinander. Durch die scheinbare Bewegung der Töne von Raum zu Raum entsteht ein großes Summen im gesamten Gebäude wie eine eigene Sprache. So wie sich der Betrachter durch die Räume und zu den verschiedenen Tonquellen bewegt, schafft er seinen eigenen Rhythmus in der von der Künstlerin angelegten Choreografie. Verstärkt wird dies durch die unterschiedlichen Lichtsetzungen und Farbfilter vor den Fenstern. [English version below.]

 

Save the date!
Künstlergespräch mit Tamara Grcic
am Mittwoch, 21. Juni 2017 um 18 Uhr

 

Artist Tamara Grcic, who works alternately with installations, photography and film developed a new, sound work especially for the Opelvillen entitled have you been here before?.

The starting point was Tamara Grcic’s interest in heterophony. The term is used in music to refer to simultaneous variations of a single melodic line and relies on polyphony and sound variations on the score. Another aspect was the fact that Rüsselsheim has a highly varied population structure comprising over a hundred different nationalities. It was the artist’s intention to create a choreography for the Rüsselsheim exhibition space in which the concept of nations is abandoned and differences fuse to produce an open, permeable diversity.

The result is a sound piece that occupies the entire building. In every room voices resound, male, female, young or old ones. Tamara Grcic met and interviewed people of different nationalities asking her subjects to describe a room or house of special importance to them. The artist also requested them to sing a song in their native language.

The actual content of the recordings remains preserved within the individual languages. Tamara Grcic is interested in language as an abstract, sound-based system, and its various tone colors. By combining different sound sequences from her material to create abstract compositions, the artist produced a total of 13 sound pieces for the Opelvillen.

Grcic has the voices flow together in different ways. They seem to jump back and forth in the room, enter into dialog with one another, to alternate or merge. In the succession of rooms, the voices engage with one another, and the movement of the sounds from room to room causes the entire building to reverberate with a loud humming, that constitutes a language of its own. As the visitor moves through the rooms and responds to the various sound sources, he creates his own rhythm in this choreography arranged by the artist. The whole effect is further reinforced by special lighting and color filters in front of the windows.

 

Save the date!
Artist talk with Tamara Grcic
on Wednesday 21 June, 2017 at 6 p.m.