Zurzeit in den Opelvillen:

Niki de Saint Phalle und das Theater – At Last I Found the Treasure

7. Dezember 2016 bis 12. März 2017

Skulpturen, Installationen, Papierarbeiten – teilweise zum ersten Mal ausgestellt

Das umfangreiche Ausstellungsprojekt entsteht in enger Kooperation mit der Niki Charitable Art Foundation in Santee, Kalifornien, USA. Zu den renommierten Leihgebern zählt neben der Foundation unter anderem das Sprengel Museum Hannover. Während der jahrelangen Recherche zum Theaterschaffen der Künstlerin, auch in Privatarchiven, wurden bislang unbekannte Kunstwerke und Materialien von Niki de Saint Phalle entdeckt. Einzigartige, noch unveröffentlichte Filmdokumente werden zum ersten Mal in den Opelvillen zu sehen sein.

Bislang blieb die Theaterarbeit von Niki de Saint Phalle (1930‒2002) ungewürdigt. Die Ausstellung Niki de Saint Phalle und das Theater – At Last I Found the Treasure, wurde konzipiert, um mit über hundert Objekten, Modellen, Siebdrucken und Plakaten sowie Originaldokumenten die Künstlerin erstmals als signifikante Kraft für die performative Kunst und das Theater der 1960er-Jahre vorzustellen. Zugleich hebt diese Museumspräsentation die Bedeutung von de Saint Phalle in der Durchdringung von Kunst und Theater hervor. In der von den Opelvillen erarbeiteten Ausstellung wird zum ersten Mal aufgezeigt, welche Impulse sie gab, um Kunst und Publikum auf neue Art und Weise zusammenzubringen. Gemeinsam hatte de Saint Phalle mit den Kunstschaffenden der New Yorker Avantgarde, den Nouveaux-Réalistes-Künstlern in Paris und den Theaterpionieren in Kassel in den 1960er-Jahren den Wunsch, der Kunst mannigfaltige Möglichkeiten zu geben.

1966, nachdem die Künstlerin mit einer begehbaren, liegenden und bunt bemalten Frauenfigur im Moderna Museet in Stockholm ihr erstes Großprojekt schuf, wurde Niki de Saint Phalle vom damaligen Theaterregisseur Rainer von Diez nach Kassel eingeladen, um Bühnenbild und Kostüme für seine Inszenierung der Lysistrata von Aristophanes am Staatstheater zu entwerfen. Schnell identifizierte sich Niki de Saint Phalle mit dem Stück, in dem sich Frauen aus ganz Griechenland gegen ihre Männer und den Krieg verschwören. Die Künstlerin lernte das Theater auch als Ort der aktiven Beteiligung des Publikums schätzen und begann ein eigenes Theaterstück namens ICH zu schreiben, das dann 1968 anlässlich der documenta in Kassel in Zusammenarbeit mit Rainer von Diez uraufgeführt wurde.

In ihrem Stück ergreift eine weibliche Figur namens ICH die Macht über die Menschheit, die von »Monsteranern« repräsentiert wird. Zunächst bringt ICH als junges Mädchen ihre Eltern um, dann erreicht sie in verschiedenen Disziplinen, unter anderem als Rennfahrerin oder Sängerin, Weltruhm. Schließlich heiratet ICH sich selbst. Als die »Monsteraner« versuchen, ihre Herrschaft abzuschütteln, ist es zu spät. ICH regiert die Welt und wird von allen dafür angebetet. Mit der Inszenierung des humorvollen, erotischen, aber auch grausamen Stücks wurde beabsichtigt, Fantasie und Kritik des Publikums gleichermaßen anzuregen. Niki de Saint Phalle entfaltete ihre Kreativität in den optischen und bildnerischen Formen wie auch in den Sprach- und Bewegungsabläufen. Kaskadenhaft – bunt und auch schrill ‒ breiteten sich die verschiedenen Beiträge in Farben, Formen und Tönen auf der Bühne aus. Mit ihrem Stück ICH gelang es Niki de Saint Phalle, Kunst und Theater zu durchdringen.

Auch wenn 1968 konservative Abonnenten billige Provokation vermuteten, so hatte das unbefangenere Publikum angesichts des burlesken Strebens einer jungen rebellischen Frau nachrücksichtsloser Selbstverwirklichung viel Spaß.

Rainer von Hessen wählte für seine Theaterzeit den Künstlernamen von Diez (auch Dietz). Der 1939 mit bürgerlichem Namen geborene Rainer Prinz von Hessen blickt nun zum ersten Mal auf seine Theaterzeit und Zusammenarbeit mit Niki de Saint Phalle zurück. Dabei legt er nicht nur neue Erkenntnisse zur Kooperation, sondern auch zur Ikonografie der Künstlerin dar. So war der ehemalige Regisseur maßgeblich an der Titelgebung der Ausstellung At Last I Found the Treasure beteiligt. Für ihn war Niki de Saint Phalle auf der Suche nach jenem Schatz, von dem ihr fiktives Bühnen-ICH im gleichnamigen Theaterstück träumt. Auf die Theaterarbeit mit Rainer von Diez folgten neue Werkgruppen, die auch Teil der Ausstellung sind. Die Art der Zusammensetzung ihrer Arbeiten eröffnet letztlich eine neue Perspektive auf das Gesamtwerk der Künstlerin und insbesondere auf den großen Zyklus, den sie zum Thema Liebe entwickelte.

 

Kuratorin: Dr. Beate Kemfert, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim

In Kooperation mit: Niki Charitable Art Foundation

Katalog: Niki de Saint Phalle und das Theater – At Last I Found the Treasure, Hrsg. Beate Kemfert mit Texten von Beate Kemfert, Gerard Forde, Rainer von Hessen, Deutsch/Englisch, Kehrer Verlag, Heidelberg 2016, 240 Seiten, 270 Farbabb., 24 x 28 cm, gebunden, ISBN 978-3-86828-720-2, € 39,90 Kuratorin: Dr. Beate Kemfert, Kuratorin und Vorstand der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim

Presse:
Rüsselsheimer Echo, 5Charlotte Martin | Vernissage in den Opelvillen: Ausstellung »Niki de Saint Phalle und das Theater« in Rüsselsheim
Eine Künstlerin mit Leidenschaft zum Theater
Traumwelten auf der Bühne: OPELVILLEN Ab Sonntag sind in Rüsselsheim Arbeiten von Niki de Saint Phalle zu sehen
FNP, Christian Huther | Künstlerin Niki de Saint Phalle: Im Bauch der Urmutter

Rüsselsheimer Echo, 30 | Einzigartige Dokumente einer großen Künstlerin

Fernsehbeiträge:
rheinmaintv, 2. Dezember 2016 | Rebellische Künstlerin: Niki de Saint Phalle Ausstellung in Rüsselsheim

 

Mit freundlicher Unterstützung: Hessische Kulturstiftung, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Sparkassen-Stiftung Groß-Gerau, Dornhöfer GmbH, Ströer Deutsche Städte Medien GmbHRüsselsheimer Volksbank eGAlpha Audio & Light GmbH und wie immer Adam Opel AG, Stadt Rüsselsheim

Weitere Stationen: Leopold-Hoesch-Museum Düren (2. April bis 2. Juli 2017), Kunstsammlung Jena (2. Dezember 2017 bis 8. April 2018)

 

Anfahrt: Besonders leicht und umweltfreundlich erreichen Sie die Ausstellung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft Groß-Gerau. Die Busse der LNVG fahren im gesamten Kreisgebiet und erreichen auch den Verkehrsknotenpunkt Flughafen Frankfurt. Zur Planung Ihrer Anfahrt mit Bus und Bahn empfehlen wir Ihnen die RMV-Verbindungsauskunft. Informationen zur Anreise mit dem Auto, dem Fahrrad oder der Bahn finden Sie hier.