2019 in den Opelvillen:

Konkrete Poesie / poesia concreta – Eugen Gomringer, Augusto de Campos und Freunde

25. September 2019 bis 12. Januar 2020

»Die Konkrete Poesie ist ein ästhetisches Kapitel einer sich bildenden universalen Sprache.«
Eugen Gomringer

Zum ersten Mal wird die Entstehung und Entwicklung der Konkreten Poesie in Deutschland und der poesia concreta in Brasilien gewürdigt. Im Fokus stehen dabei die Werke der Künstler Eugen Gomringer und Augusto de Campos.

Eugen Gomringer, geboren 1925 in Cachuela Esperanza, Bolivien, gilt als Begründer der Konkreten Poesie und wirkt bis heute überwiegend in Deutschland. Augusto de Campos, geboren 1931 in São Paulo, Brasilien, veröffentlichte Anfang der 1950er-Jahre erste Gedichte. 1952, in dem Jahr, als Eugen Gomringer seine erste Konstellation avenidas schrieb, schlossen sich in São Paulo die drei Poeten Augusto de Campos, Haroldo de Campos und Décio Pignatari zur Gruppe Noigandres zusammen.

Drei Jahre später besuchte Pignatari die Hochschule für Gestaltung Ulm. Sein Treffen mit Eugen Gomringer, der zu der Zeit Sekretär von Max Bill war, kann als Beginn der internationalen Bewegung der Konkreten Poesie gesehen werden.

Die Ausstellung zeigt konkrete Gedichte aus den 1950er-Jahren von Eugen Gomringer, Augusto de Campos, Haroldo de Campos und Décio Pignatari. Teil der Präsentation ist auch der Original-Tisch, an dem Gomringer und Pignatari 1955 in Ulm zusammen saßen.


Geraldo de Barros – Unilabor. Möbel und Fotografien

25. September 2019 bis 12. Januar 2020

Auch der Brasilianer Geraldo de Barros (1923—1998) besuchte in den frühen 1950er-Jahren die Ulmer Hochschule. Basierend auf seinen Eindrücken wurde der Künstler nach seiner Rückkehr in Brasilien 1954 Mitbegründer des so genannten Unilabors zur Fabrikation von Möbeln. Unilabor sollte nicht nur Gestaltungsrichtlinien des Bauhauses fortführen, sondern auch eine soziale Ausrichtung in Form einer Arbeitsgemeinschaft besitzen.

Die Opelvillen nehmen das Jubiläumsjahr des Bauhauses 2019 zum Anlass, um erstmals in einer Ausstellung Unilabor einem breiten Publikum vorzustellen und die Bedeutung des Künstlers Geraldo de Barros für Design und Fotografie hervorzuheben.

Teil der Ausstellung sind noch nie außerhalb Brasiliens ausgestellte originale Unilabor-Möbel. Ferner werden Fotografien der Serie Fotoformas aus den 1950er-Jahren von Geraldo de Barros zu sehen sein.

Dominika Bednarsky
»Snap Competition«

22. September bis
27. Oktober 2019

In ihrer ersten Einzelausstellung Snap Competiton schafft Dominika Bednarsky (*1994) ein absurdes Biotop, das die Dualität des Gartens als Gleitzone zwischen Fiktion und Realität, Utopie und Dystopie, Paradies und Verderben reflektiert. Eigenwillige Pflanzenarten und Kreaturen aus glasiertem Ton bewohnen die garten-ähnliche Szenerie in der Schleuse und bilden einen abgegrenzten, statischen Lebensraum. Spitze Grashalme ragen auf mehreren quadratischen Keramikplatten in unterschiedliche Richtungen – manchmal wirr zur Seite, manchmal senkrecht nach oben. Die Farbigkeit der Grasflächen changiert zwischen Grün- und Brauntönen und erinnert an einen verbrannten Rasen in der Sommerhitze. Bunte fleischfressende Topfpflanzen okkupieren Sitzbänke, Sukkulenten wuchern von den Wänden. Fliegen, Bienen, Mäuse und Schnecken verbergen sich in den Steingut-Gewächsen und machen sich, wie der Titel verrät, bereit für ihren nächsten Raubzug. Ein abgetrenntes Hasenohr lässt vermuten, dass es ein brutales Zusammentreffen werden könnte. Es herrscht Konkurrenz im abgesteckten Lebensraum der Schleuse – doch wer wird sich durchsetzen? Und was passiert mit den Unterlegenen?

Der Garten als umgrenzter Lebensraum, der dem Menschen seit jeher als eine von ihm beherrschte und kontrollierte Kultivierungsfläche diente, entwickelt in Bednarskys Installation ein autonomes Eigenleben. Ihre skulpturalen Keramikserien mimen uns bekannte Elemente aus Flora und Fauna und konterkarieren diese in humoristischen Kompositionen. Fleischfressende Keramiken werden in Blumentöpfen gezähmt, Fliegen und Bienen als gebrannte Tonfiguren ihrer flüchtigen Beweglichkeit beraubt. Alles erstarrt in Snap Competition und überdeckt dabei Vertrautes in dicken, widerspenstigen Glasurschichten.

 

Text: Sonja Borstner, Foto: Felix Kultau