Einladung zur Eröffnung
Katrin Nicklas
»hin + her + rundherum«
19. Mai 2019 ab 12 Uhr

Einladung zur Eröffnung <br/>Katrin Nicklas<br/>»hin + her + rundherum«<br/>19. Mai 2019 ab 12 Uhr

Eine massive steinerne Bank zieht sich durch den schlauchförmigen Durchgangsraum der Opelvillen und teilt ihn damit in zwei Hälften. Die enorme Waagerechte des Raumes, die durch die lange Bank nur noch verstärkt wird, kann durch ein Ablaufen der Geraden und der daran anschließenden sanft abfallenden Rampe, erlebt werden.

Die ortsspezifische Arbeit hin + her + rundherum von Katrin Nicklas besetzt diese lange Bank in der Mitte der Schleuse, und fungiert damit gleichsam als natürliche, architektonische Grenze zwischen Ebene und Rampe. An einer von der Künstlerin gebauten Seildrehmaschine spannt sich ein Seil von 12 Metern Länge, welches die Beschaffenheit der Architektur des Ausstellungsraumes aufgreift. Zugleich nimmt sie der Bank ihre ursprüngliche Funktion als Ort des Ausruhens oder Verweilens. Die Rampe, als wiederkehrendes Element der Architektur der Moderne begegnet uns heute wieder häufig. In der Schleuse der Opelvillen hat der Besucher zum Bewältigen der Höhenunterschiede die Möglichkeit, die kleine Treppe oder die Rampe zu nutzen, um zur unten gelegenen Tür zu gelangen. Um die künstlerischen Positionen bei den Ausstellungen betrachten zu können, muss also die Rampe genutzt werden. Die Architektur soll ganz nach ihrer historischen Tradition, im Sinne des Flanierens erlebt werden.

Wegen seiner produktionsbedingten Schrumpfung weist das Seil am Ende der Fertigung eine Länge von 9m auf. Wie eine Art Vorhang hängen die fertig gedrehten Seile nun am Ende der Rampe aus dem Lichtschacht herab, der sich über das Deckenmaß hinaus öffnet. Durch die Seildrehmaschine ist auch der Produktionsprozess offengelegt, wobei die Aktion selbst nicht sichtbar, jedoch stets präsent bleibt. Läuft man nun einmal um die Maschinerie herum, kann zudem auch der Werkprozess nachempfunden werden. Aufgrund der insgesamt 500 Meter Länge der Jute-Seile musste auch die Künstlerin, zur Realisierung ihres Werks, durch ein ständiges Vor und Zurück – ganz im Sinne des Titels hin + her + rundherum – zwischen dem Anfang und dem Ende der Steinbank, entlang der Ebene oder der Rampe, denselben Pfad abgehen, den der Betrachtende nun nachempfinden kann.

Die Arbeit stellt sich damit als ein intensiviertes Wahrnehmungsinstrument heraus, welches aus der Beschäftigung mit dem Wandel, den der Durchgangsraum als Zone des Transits, hin zu seiner Funktion als Ausstellungsraum durchlebte, hervorgeht.“

Text: Stefanie Ufrecht

 

Die 1989 geborene Katrin Nicklas studiert seit 2014 in der Klasse für Bildhauerei von Sabine Groß an der Kunsthochschule Mainz. Seit 2017 ist Nicklas Stipendiatin in der Künstlerförderung des Cusanuswerkes. Ihre Ausstellung  hin + her + rundherum wird am 19. Mai ab 12 Uhr eröffnet und ist noch bis zum 30. Juni 2019 zu sehen.

Zur Eröffnung in der Schleuse laden wir Sie herzlich ein!

 

Bildnachweis: © Katrin Nicklas