Neues aus dem Labor

Nach rund fünf Monaten intensiver Arbeit wird sich Simon Baumgart (*1990 in Dresden) Anfang Mai aus dem Labor verabschieden. Gemeinsam mit Iak Mann (*1992 in Hamburg, studiert Freie Bildende Kunst an der Kunsthochschule Mainz) konzipiert er gerade eine Ausstellung unter dem Titel „Bau“, die den Abschluss seiner Zeit in Rüsselsheim darstellen wird und über die wir in einem kommenden Blogartikel berichten.

 

Simon Baumgarts bildhauerische Projekte setzen sich mit den grundlegenden Eigenschaften der Skulptur auseinander. Entgegen des traditionellen Verständnisses des Mediums, das stärker als alle anderen Gattungen der bildenden Kunst mit der Darstellung des menschlichen Körpers verbunden ist, verzichtet er auf jegliche Abbildungsfunktion. Er schafft abstrakte Körper im Raum, dennoch bleibt der Mensch integraler Bestandteil in Baumgarts Arbeiten. So versteht er seine skulpturalen Objekte analog zu den Veränderungen, denen der menschliche Körper im Laufe der Zeit unterliegt. Wachstum, Altern, die Einbindung in soziale Beziehungen und letztendlich Vergänglichkeit sind Aspekte, die der Betrachter und Baumgarts Skulpturen teilen. Damit negieren seine Arbeiten neben der Repräsentation eine weitere Grundfeste der klassischen Skulptur, nämlich die Vorstellung, dass das im resistenten Material Dargestellte unverändert überdauert.

 

In seiner Diplomarbeit, die Simon Baumgart im Labor der Opelvillen umsetzte, manifestieren sich diese Ideen anschaulich. Hierfür errichtete er auf einem Unterbau aus Klappböcken und Kanthölzern eine Konstruktion aus Gips und Holzlatten, die einen Korridor formte. Den Raum der Länge nach vollständig ausfüllend standen sich letztendlich zwei 150 cm hohe und 3 cm dicke Gipswände in einem Abstand von 130 cm gegenüber. Doch mit der Errichtung der 600 kg schweren Konstruktion war das Werk noch nicht fertiggestellt. Zum Werkprozess zählte der direkte Abbau sowie die anschließende Reinigung des Ateliers vom feinen Gipsstaub – vom kurzen „Leben“ der Skulptur zeugt nunmehr nur ein 31-stündiges Video, das ihr Entstehen und Vergehen in Echtzeit dokumentiert.

 

Daneben entstanden im Labor noch eine Reihe großformatiger Papierarbeiten, die sich weniger mit dem Dargestellten als mit dem Medium an sich auseinandersetzen. Obwohl figurativ – zu sehen sind sitzende Aktfiguren, die ohne Modell aufs Papier gebracht wurden – tritt die Darstellung gegenüber den Qualitäten des Materials, dem Papier und der Linie des Stiftes in den Hintergrund. Die perspektivische Körperräumlichkeit wird gebrochen durch Korrekturen, Auslassungen und Fehlstellen sowie durch Spuren des Zeichenprozesses, wie dem Abrieb der gefliesten Wand, die während des Zeichnens als Untergrund diente. Manche Blätter wurden zerschnitten und erneut zusammengefügt.

 

Wir danken Simon Baumgart für die spannende Zeit und freuen uns, Euch zur Ausstellung „Bau“ (1., 6., 7. und 8. Mai, jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr) begrüßen zu dürfen!