Aneta Kajzer im Labor der Opelvillen
Save the date: Eröffnung »all my beautiful faces«
10. Dezember 2017 um 11 Uhr

Aneta Kajzer im Labor der Opelvillen<br/>Save the date: Eröffnung »all my beautiful faces« <br/>10. Dezember 2017 um 11 Uhr

Die 1989 in Polen geborene und in Würzburg aufgewachsene Aneta Kajzer schloss ihr Studium an der Kunsthochschule Mainz Anfang 2017 ab. Als erste Stipendiatin erhielt sie das Winsor & Newton Residenzstipendium mit einem Atelier im Berliner Künstlerhaus Bethanien. Nach dem sechsmonatigen Stipendium in Berlin arbeitet sie nun bis zum Frühjahr 2018 im Labor der Opelvillen.

Hier wird sie am 10. Dezember um 11 Uhr ihre Ausstellung all my beautiful faces eröffnen. Genaue Öffnungszeiten der Ausstellung werden noch bekanntgegeben.

Aneta Kajzer im Atelier, Foto: Annekathrin Kohout, © Aneta Kajzer

 

Wenn Aneta Kajzer vor ihre Leinwände tritt, die teils erheblich größer sind als sie selbst, beginnt sie ohne gezieltes Vorhaben oder Thema. Ihre Figuren und Formen teilen sich ihr zunächst erst während des Entstehungsprozesses mit, worauf sie wiederum neue Antworten findet.

In diesem fortgesetzten Dialog mit der eigenen Bildfindung wechselt Aneta Kajzer zwischen planvollem und intuitivem Gestus. Immer ganz und gar Malerin, erzeugt sie sehr konfrontative Situationen zwischen Figuration und Abstraktion: Wie kann man zum Beispiel eine so aufgeladene, pathetische Farbe wie Preußischblau einsetzen, ohne das Klischee zu bedienen? Kann etwas Grobes wie ein breiter kräftiger Pinselstrich zu etwas Zartem werden wie einem Glimmen? Und sind zwei Punkte und ein gurkenförmiges Objekt schon ein Gesicht?

Aneta Kajzer versucht, Eindeutigkeiten zu zerschlagen und Ambivalenzen zuzulassen. Dabei heißt Ambivalenz hier nie Unentschlossenheit, im Gegenteil: Alles an Aneta Kajzers Bildern zeugt von einer großen Entschiedenheit, sogar vom mutwilligen Herbeiführen von Disharmonien und Unbehagen. „Manchmal“, sagt sie, „muss man es selbst lernen, das auszuhalten.“ Aushalten, Gegensätze und Unauflösbarkeit zu erzeugen und sie stehen zu lassen.

In ihrer Jugend geschult an Comics und Zeichentrick, weiß Aneta Kajzer, dass das Niedliche immer ganz nah am Grotesken ist, und dass das Abstoßende, Gruselige, auch schnell zu etwas Witzigem oder sogar Lächerlichen werden kann. Selbst ihre Farbwahl trifft sie anhand der Informationen, die der Farbe bereits innewohnen – und entwickelt intuitiv Strategien, wie man diese auflösen könnte. So findet man helle Hauttöne bei ihr eher in tierischen Darstellungen als bei menschlichen, und Rosa wird bei ihr zu einem „Fuck-you-Pink“, wie eine Künstlerkollegin kürzlich bemerkte.

Aneta Kajzer versteht sich als feministische Künstlerin, ohne dass sie in ihren Gemälden eine sichtbare, vordergründige Agenda verfolgen würde. Bereits an der Akademie fand sie sich mit anderen Künstlerinnen zu Kollektiven zusammen, veranstaltete Festivals und Ausstellungen in einem Projektraum und stellte jene Bedingungen her, die meistens als wünschenswert erachtet, aber im kreativen Bereich viel zu selten umgesetzt werden: Sei es, dezidiert auf weibliche Beteiligung wert zu legen, oder, Teilnehmer und Vortragende angemessen zu bezahlen.

Insofern kann man in ihre Bilder ein gesellschaftliches Anliegen hineinlesen: Diversität, Widersprüche, Unversöhnliches nebeneinander existieren zu lassen, und aus dieser Spannung heraus neue ästhetische oder gedankliche Funken zu schlagen.
Text: Silke Hohmann

 

Beitragsbild: Aneta Kajzer: Ballerina, 2017, Öl und Acryl auf Leinwand, 300 x 200 cm, © Aneta Kajzer