Main-Spitze, 24. September 2019: Design in Wort und Holz

Von Stefan Benz – […] Die Opelvillen in Rüsselsheim betten Werk und Wirkung [Eugen Gomringers] nun in ein Koordinatensystem der Fünfziger ein: als doppelte Präsentation von Textbildern und grafischen Denkspielen im ersten Stock sowie Architektur und Fotografie im Erdgeschoss. Bevor es zur Konkreten Poesie geht, betritt man museale Wohnräume. Der Brasilianer Geraldo de Barros (1923–1998) entwarf ab 1954 im genossenschaftlichen Betrieb Unilabor moderne Möbel, die in Modulbauweise entworfen waren und sich individuell kombinieren ließen. […] Kuratorin Beate Kemfert, Leiterin der Opelvillen, flankiert die Exponate der sozial-utopischen Möbelschau mit abstrakten Fotografien von Geraldo de Barros. Seine »Fotoformas« aus den Fünfzigern zeigen Strukturen von Licht und Schatten, die auch die Schwarze Serie des Kinos hätten zieren können – entstanden vor allem durch Mehrfachbelichtungen. […]  Und schon ist man gedanklich ganz nah dran an den Buchstaben der Konkreten Poesie, die eben nicht nur Wörter, sondern auch grafische Gebilde sind. Neben den Werken des Schweizer  Halbbolivianers Gomringer, der stets in Europa wirkte, sind im ersten Stock auch Arbeiten der brasilianischen Brüder Augusto und Haroldo de Vampos sowie von Décio Pignatari zu sehen. […]