Neue Ausstellung in der Schleuse
Lena Grewenig
»Küsse, Bisse, Risse«

Neue Ausstellung in der Schleuse<br/>Lena Grewenig<br/>»Küsse, Bisse, Risse«

Ab dem kommenden Samstag, den 25. Juli 2020, zeigt Lena Grewenig in der Schleuse der Opelvillen in ihrer Ausstellung „Küsse, Risse, Bisse“ ihre neuesten Arbeiten, die in Rüsselsheim und Berlin entstanden sind. Die 1988 geborene Malerin studierte von 2009 bis 2014 an der Frankfurter Städelschule studiert und dort ihren Abschluss als Meisterschülerin von Prof. Christa Näher erlangt. Von 2016 bis 2019 absolvierte sie an der Zeichenakademie in Hanau die Ausbildung zur Goldschmiedin. Werke von ihr waren bereits in mehreren Ausstellungen in Frankfurt sowie auf Mallorca zu sehen. Seit Mitte März nutzte sie das Labor der Opelvillen als Gastatelier und zeigt bis zum 16. August in der Schleuse ihre größtenteils vor Ort entstandenen Arbeiten. Außerdem wird auf der Homepage der Opelvillen am Freitag, den 24. Juli, das Eröffnungsvideo mit einer Rede der freien Kuratorin und Autorin Adela Demetja (Frankfurt am Main/Tirana) veröffentlicht.

GASTBEITRAG der Künstlerin und Marc Günthers:

„Immer wieder, wie von ungefähr, tritt in meinen Arbeiten das Körperliche in den Vordergrund. Baumwollstoffe, wie Hautschichten übereinander auf den Keilrahmen aufgezogen, lassen die Farben auf verschiedenen Ebenen durchschimmern, ähnlich einer Narbe, die, kaum mehr erkenntlich, von vergangenen Erfahrungen und Verletzungen erzählt. Oft verwende ich dabei auch Pigmente aus Erden und Steinen, die ich auf Reisen gesammelt habe, fange damit andere Orte und Zeiten ein, eine Materialität als Spur fast vergessener und verschütteter Wege, reale Verkörperung von Räumlichkeit und Zeit. In den früheren Arbeiten schienen die figurativen konkreten Motive unscharf durch die abdeckende Baumwolle, verschwommen wie Erinnerungen, wirkten wie Objekte aus dem Weltall geworfen und auf einer Fläche zum Liegen gekommen.

Mit den neuen Bildern wird das Abdeckende entfernt. Der Körper, mein Körper, wird von verbergenden Schichten befreit, es gilt ihn zu entdecken. Doch in seiner Nacktheit entwickelt er Warencharakter, die einzelnen Körperteile werden zum Fetisch, gar zur Marke. Fuß, Hand, Mund, Auge etc. setzen sich durch ihre Fragmentierung in neue Bezüge und erhalten dadurch im Bewusstsein des Betrachtens eine andere, vielleicht höhere Realität, die erst durch das Bild entsteht, das über sich selbst hinausweist, zum Gedanken, zum Verhalten, zum Gefühl, zur realen Emotion wird. Die Verdinglichung des Körpers wird deutlich, das Objekthafte, das wie in Werbung und Pornographie zur Entfremdung, zur puren Zeichenhaftigkeit auf die zweidimensionale Fläche eines Displays gebannt wird. Doch so defragmentieren sich Rücken, Hintern und Brüste wie von selbst, winden sich ineinander, ringen miteinander und geraten in absurde Bezüge, die selbst wieder eine neue Zeichenhaftigkeit ergeben, eine Art körperliches Denken erzeugen. Hand und Mund, als Hauptagenten der Kommunikation und der Nahrungsaufnahme, erleben sich in eigener Verbindung, treten aus ihrer Zeichenhaftigkeit im flachen Bild und verknüpfen sich beim Betrachten zu einer Bedeutung, die ihnen doch gerade durch die Vereinzelung genommen werden sollte.

So entsteht durch meine Bilder eine Art körperliches Denken, ein Austausch mit mir selbst, ein Erfahren der inneren realen Welt durch die bloße Semiotik des bloß Physischen hindurch, eine Phänomenologie der verdeckten Psyche.“
Text: Lena Grewenig und Marc Günther

 

Bildnachweis: What I didn’t want to tell you © Lena Grewenig