Frankfurter Neue Presse, 21. September 2019: Eine transatlantische Künstlerfreundschaft

Von Christian Huther – In den 50ern gab es einen regen Austausch zwischen deutschen und brasilianischen Künstlern und Literaten. Einer von ihnen war Eugen Gomringer. Die Opelvillen stellen auch dessen Gedicht vor, das nach einer Sexismus-Kritik von der Hauswand einer Berliner Hochschule, auf der es jahrelang ohne Beanstandnung zu sehen und lesen gewesen war, entfernt wurde. […]

Bei der »konkreten Poesie« sind Form und Inhalt gleich, die Sprache stellt sich selbst dar. Eugen Gomringer etwa verteilte in seinem »Wind«-Gedicht die Buchstaben in alle vier Himmelsrichtungen, sodass sie von überall gelesen werden können – sogar im Kreis, wie die Ausstellung anschaulich zeigt. So vereint die Doppelschau der Opelvillen, bis zum 12. Januar laufend, auf das Schönste die Poesie und die bildende Kunst. Sie hat also nur wenig mit dem fatalen Missverständnis der jungen Frauen zu tun, die einem Gomringer-Gedicht vor zwei Jahren so lautstark einen sexistischen Ton nachsagten, dass es von der Fassade ihrer Berliner Hochschule entfernt wurde. […]

Doch der Betrachter steht im Erdgeschoss zuerst vor einem Bett von Geraldo de Barros, […]  die Regale, Kommoden, Stühle und Tische, die ein Sammler aus Barcelona entliehen hat, wären heute wieder gefragt bei jungen Leuten. Das filigrane Gestell ist aus Eisen, die Schubläden sind entweder aus tropischem Jacaranda-Holz oder sie verbergen Pressspanplatten unter weißem Furnier. So ergibt sich ein schönes Farbenspiel der Materialien zwischen Schwarz, Weiß und Dunkelbraun. Aber dieses Baukastensystem hat erst Ikea populär gemacht. Geraldo de Barros hingegen ist bei uns unbekannt – in Rüsselsheim wird sein Schaffen erstmals überhaupt außerhalb seiner Heimat gewürdigt. […]