Main-Spitze, 10. Oktober 2020: Einblicke in die Tierwelt Borneos

Von Gregor Ries – Neu in den Opelvillen ist der monatliche Aktionstag »Offenes Haus«. Von 14 bis 20 Uhr dürfen Besucher bei freiem Eintritt aus Anlass der Ausstellung »Kunst für Tiere« ihre Hunde mitbringen, was zum Auftakt schon reichlich angenommen wurde.
Unter den sieben vierbeinigen Museumsneulingen wollte sich laut Aufsichtspersonal lediglich ein kläffender Dackel nicht mit der Präsenz seiner Artgenossen anfreunden.


Zum Auftakt der mit vielen prominenten Namen wie Valie Export oder Sophie Calle bestückten Ausstellung luden die Opelvillen zum Künstlergespräch ein. Kuratorin Beate Kemfert begrüßte die in Frankfurt lebende Gabriele Muschel. Trotz größerer Nachfrage beschränkte man auf ihren Wunsch hin die Begegnung auf ein Dutzend Anwesende.

Schon am Eingang blicken den Besucher im gegenüberliegenden Raum drei großformatige Orang-Utan-Köpfe herausfordernd an. Muschel arbeitete fast ein Jahr an den riesigen Werken. Die Bilder gehören zu einer 17-teiligen Serie, die aufgrund ihres Formats nur einmal im Museum Wiesbaden gemeinsam ausgestellt wurde. Im Atelier werden die Blätter als große Rolle aufbewahrt. Publiziert im Werksquerschnitt »Im Labor«, kann man sich die verkleinerten Reproduktionen des Buchs in einer Ausstellungsvitrine ansehen.

Vor über 20 Jahren reiste Gabriele Muschel allein zur Insel Kalimantan in Borneo. Im Camp Leakey im Tanjung Puting Nationalpark stellte die Künstlerin Studien zur Beziehung und Konfrontation von Menschen und Tieren an. Zudem reizte sie der Aufbruch ins Ungewisse.

In dem einstündigen Gespräch berichtete die in Waldsee geborene und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierte Künstlerin über die abenteuerliche Expedition. Nach zweitägiger karger Schiffsreise von Jakarta aus erreichte sie einen kleinen Hafen in Borneo. Als Residenz diente eine einfache Holzhütte. Die Dayaks genannte indigene Bevölkerung warnte sie nicht nur vor Orang-Utan-Angriffen auf Frauen. Ebenso musste man sich vor Wilderern hüten, die Affen töten und ihre Säuglinge an Wildparks verkauften. Zwischen riesigen Krokodilen, Insekten, Spinnen und 200 Schlangenarten auf Bäumen oder im Moorgebiet entpuppte sich die Fauna als wenig friedlich. So wurde sie unter anderem Zeugin der Treibjagd von Schimpansen auf Affen.

Aufgrund einer Luftfeuchtigkeit von 99 Prozent verzichtete Muschel bei ihrem vierwöchentlichen Aufenthalt auf die Mitnahme von Papier. Stattdessen dokumentierte sie die Tierwelt per Kamera und durch Notizen in einem Heft. In den Arbeiten unterstrich die Künstlerin die Individualität und Persönlichkeit der Orang-Utans von zutraulichen bis bedrohlichen Wesenszügen. Ansonsten legt sie ihre Werke eher kleinformatig mit teils symbolträchtigem und fantastischem Kontext an.