Main-Spitze, 13. Januar 2021: Multiplikator und Unterstützer – Der Freundeskreis der Opelvillen engagiert sich seit 2003 für das denkmalgeschützte Haus

Von Gregor Ries – Eigentlich wären in dieser Woche die letzten Tage der Ausstellung »Kunst für Tiere – Ein Perspektivwechsel für Menschen« in den Opelvillen zu vermelden gewesen. Im Eingangsbereich der Ausstellung türmen sich schon zahlreiche blaue Kisten mit Exponaten für die Folgeausstellung im Rahmen der »RAY«-Fotoinitiative des Rhein-Main-Gebiets. Doch wegen des Lockdowns war die Ensembleschau nur im Oktober geöffnet. Danach durfte sie zumindest Kindergarten-, Schul- und Jugendgruppen noch besuchen, wofür sich Leiterin Beate Kemfert besonders eingesetzt hatte. Deshalb soll die »Tiere«-Ausstellung ab dem 22. August wieder aufgenommen werden. 99 Prozent der Exponate bleiben nach Rücksprache mit den Künstlern zunächst im Haus.

Neben einem vorsichtigen Ausblick, der angesichts der Lage stets mit Fragezeichen versehen werden muss, drehte sich die aktuelle Pressekonferenz um das Engagement des Freundeskreises für die Opelvillen-Stiftung. Gemeinsam mit der Vorsitzenden Marion Kurtz hob Kemfert dessen nachwirkende Bedeutung für die Opelvillen-Stiftung hervor. Als Anlass diente die Würdigung des am 21. Dezember 2020 im Alter von 84 Jahren verstorbenen Mitglieds Reinhold Stenner. Ohne sein laut Kemfert uneitles, zurückhaltendes Wirken und Mäzenatentum wären manche Projekte nicht zu realisieren gewesen.

Eigentlich zählte seine Frau Christa Stenner zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises, der am 17. Juni 2003 ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, das denkmalgeschützte Haus zu erhalten. Laut Kemfert fielen immer wieder teure Sanierungen wie etwa der Außentreppe, des Wintergartens oder der Gartenarchitektur an. Aktuell stehen noch Projekte wie die Instandsetzung der Fenster oder des Bodenbelags aus.

Dank Reinhold Stenner konnte besonders die Ausstellung »Exil und Moderne« im Jahr 2004 mit Meisterwerken von Künstlern wie Klee, Matisse, Miró, Picasso oder Pollock realisiert werden. Die Stadt Rüsselsheim habe sich die Finanzierung laut Kemfert nicht getraut. Mit dieser Ausstellung erarbeitet sich das Haus ein beachtliches Renommee. Zugleich durfte der Freundeskreis darauf aufbauen. Von einem Dutzend Gründern ausgehend kann man heute 225 Mitglieder zählen. Als Opel seine finanziellen Aktivitäten zurückschraubte und schließlich einstellte, lag es 2019 am Freundeskreis, 30 000 Euro zur Rettung der Opelvillen zu sammeln. Familie Stenner erhöhte den Betrag auf 50 000 Euro. Inzwischen entschied die Stadt, ab diesem Jahr die finanzielle Lücke zu füllen. Tochter Kristina Meckert unterstützt ebenfalls den Vorstand.

Kemfert und Kurtz erinnerten an zahlreiche Aktivitäten des Freundeskreises, der als Multiplikator und ehrenamtlicher Unterstützer eie wichtige Funktion erfüllt. Neben den Previews auf aktuelle Ausstellungen, dem Sommerfest oder weihnachtlichen Zusammenkünften bilden die jährlichen Städtereisen zum Kulturprogramm ein Highlight. Bevor man im letzten Jahr auf Kuba aufgrund der Corona-Krise verzichten musste, konnten Touren zur Biennale in Venedig, nach St. Petersburg, Barcelona oder Litauen angeboten werden. Wem dies zu beschwerlich oder teuer erschien, durfte innerdeutsche Kunstausflüge in Anspruch nehmen.

Anfang Februar soll die Ausstellung »Lee Miller. Hautnah. Fotografien von 1940 bis 1946« als »RAY«-Beitrag aufgebaut werden. Ebenso will man das Sommerprojekt »Schleuse/Labor ausgelagert« in vielleicht veränderter Form wiederholen. Ob es ein Sommerfest geben wird und wann die Räume wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sind, bleibt im Moment noch offen.