Main-Spitze, 16. Juni 2020: Der Wind macht den Sound. Tobias Krämer stellt in einer Reihe der Opelvillen seine neue Installation vor

Von Gregor Ries – Vielleicht wird sich am Ende der Reihe die Wiese hinter den Opelvillen wieder ganz mit Kunstwerken füllen, wie man es vom jährlichen Sommerfest gewohnt ist. In der zweiwöchentlichen Reihe „Schleuse/Labor ausgelagert“ stellte Tobias Krämer seine Arbeit „Soundstudie II“ vor, während seine Kommilitonin Anna Hofmann von der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) wenige Meter entfernt ihre mehrteilige „Serviervorschlag“ -Installation ausbreitete. Je nach Wetterlage und Zeitplan der Nachwuchskünstler sollen bis zum September alle zwei Wochen die jeweils neuesten Werke durch bereits präsentierte Arbeiten ergänzt werden.

Nach eigenen Angaben interessierte sich Tobias Krämer stets für Musik und Kunst. Für ein halbes Jahr spielte er selbst Gitarre und Bass in der seit einem Jahrzehnt bestehenden Heidelberger Grungeformation „Failed Curse“. Stärker richtet sich jedoch sein Bestreben aus, Töne in gestalterische Form umzusetzen. Für „Soundstudie I“ hängte er seine Gitarre als eine Art Windharfe an die Decke, die danach durch Windzug gespielt wurde.

Daher passte es bestens, dass an diesem Nachmittag reichlich Wind aufkam. Die Böen beteiligten sich an der Installation „Soundstudie II“, die aus zwei länglichen Blechstücken bestand. Der Odenwälder entdeckte die Scheiben nur durch Zufall beim Aufräumen. Die Bleche, eines verspiegelt, das andere stumpf, schweißte er an ein Gerüst. Mittels eines per Arduino-Chip angetriebenen Programms wurden sie in unregelmäßigen Abständen bewegt, wobei die Intervalle einem auf sechs Minuten eingestellten Rhythmus folgten. Ein wenig erinnerte das zitternde, flirrende Geräusch an einen per Ultraschall hörbar gemachten Herzschlag.

Der seit 2016 an der HfG studierende Krämer findet es aufregend, Töne in skulpturaler Form offen zu legen und eine Soundchronologie durch Bewegung zu entdecken. Dabei setzt er physikalische Phänomene ein. Frühere Malereiarbeiten konnte man in HfG-Gruppenausstellungen im Wiesbadener Kunstverein und der Wiener Akademie der Bildenden Künste Xhibit entdecken. Je nach Einfall sucht sich Krämer stets das passende Medium aus. Ebenso erscheint es ihm spannend, verschiedene Techniken wie das selbst geschweißte Gerüst und das Programmieren des Motors zu einer performativen Skulptur zu kombinieren.

Auch „Soundstudie III“ aus zwei übereinander installierten Würfeln, die wie eine Drehleiter rotieren, existiert schon. An dieser Werkreihe arbeitet Tobias Krämer seit drei Jahren. Es bleibe ihm stets genügend Freiraum, um mit musikalischen Phänomenen künstlerisch umzugehen, sagte er. Um dies erfahr- und hörbar zu machen, erweist sich die „Ausgelagert“ -Reihe für junge Künstler als passender Rahmen.