Main-Spitze, 16. Juni 2020: Kuba im Park. Open-Air-Konzert mit Clarissa und Alfredo Hechavarria an den Opelvillen

Von Gregor Ries – Reichlich enttäuscht zeigte sich Clarissa Hechavarria Ruddock, dass sie mit ihrem Mann Alfredo wegen der Corona-Krise die komplette Tournee zur Präsentation ihrer zweiten CD absagen musste. »CubanXCrossover« sollte etwa im Staatstheater Wiesbaden vorgestellt werden. Umso erfreuter reagierte das auf Latin Groove spezialisierte Ehepaar über die Einladung von Beate Kemfert, mit einem Open-Air-Konzert die aktuelle Opelvillen-Ausstellung »Liebesgrüße aus Havanna« zu ergänzen.

Aus einem geplanten Konzert auf der Villenterrasse mit Platz für 25 bis 30 Zuhörer wurden rasch drei ausverkaufte Veranstaltungen. Auf dem Gehweg und den Parkbänken fanden sich zumindest beim ersten Termin noch weitere Zuhörer ein.

Häufig folgte die Setdramaturgie des einstündigen Konzerts der Songanordnung auf der aktuellen CD. Das selbst komponierte Eröffnungsstück »Lúz« (Licht) wies zwischen Alfredos Scatgesang und Bossa-Nova-Anklängen noch die stärksten Jazzelemente auf. Wechselnden Richtungen folgend, kehrte der in Santiago de Cuba geborene Gitarrist und Dozent stets wieder zur harmonischen Melodie zurück. Melancholisch-zurückhaltend manifestierte sich in »Añoranza« die Sehnsucht nach der Heimat, wobei die Ballade allmählich an Tempo gewann.

Aus seinem 2017 veröffentlichten, in Mainz abgemischten Debütalbum »Corazón del Sur« erklang lediglich die beschwingte Instrumentalversion von Stings »Fragile«. IM Duett mit seiner Frau interpretierte Hechavarria den aus dem Buena-Vista-Social-Club-Soundtrack bekannten »Chan Chan«, den Liebesevergreen »Bésame Mucho« und Benny Morés Klassiker »Cómo Fue«.

Mit »Quimbara« erinnerte sie als Konzertpremiere an die kubanisch-amerikanische Sängerin Celia Cruz. Der bewusst verstolpert angelegte Rumba-Titel funktionierte bestens ohne Orchesterbegleitung und Hintergrundchor, da Alfredo Hechavarria den Takt sowohl auf dem Gitarrenboden als auch einer Horsekick Stomp Box beisteuerte.

Von stetem Tempowechsel sowie dem reibungslosen Übergang aus leisen und temperamentvollen Passagen lebten gleichsam virtuose Gitarrenstücke wie Mason Williams’ »Classical Gas« und Johann Sebastian Bachs »Air«. Zwischen Jazz- und Klassikeinsprengseln kam somit reichlich Buena-Vista-Feeling vor den Opelvillen auf.