Main-Spitze, 3. Februar 2021: Der Materialmix macht‘s. Bildhauer Marcel Friedrich Weber zeigt in den Opelvillen seine Schau »erect«

Von Gregor Ries – Im Labor der Opelvillen ist Marcel Friedrich Weber kein Unbekannter mehr. Seit Mitte Dezember arbeitet der ansonsten im Frankfurter Basis-Atelier beschäftigte Bildhauer viermal pro Woche im Souterrain des Rüsselsheimer Hauses. Im Winter 2019 wirkte er schon als Teil des Projektes »Baart Space« an gleicher Stelle mit. Damals gab Artjom Chepovetskyy während seiner Laborzeit an sechs Wochenenden die Fläche für zwölf Kollegen frei. Oft trafen dabei völlig unterschiedliche Ansätze aufeinander. Neben Malerin Rahel Sorg war Weber bei der Reiheneröffnung mit fünf gebirgsartigen, welligen Stellwänden aus Gips und Montageschaum in der Raummitte vertreten.

Stets kombiniert der ehemalige Student der Mainzer Kunsthochschule mehrere Materialien. Bei »Aus dem Sack« von 2015 scheint Dämmwolle aus einem Gipssack bis zur Decke zu quellen. Für seine Laborausstellung greift Weber mit Beton und Zement erneut auf schwere Materialien zurück. Dabei wirken die bislang produzierten verschlungenen Röhren oder Gitter auf. den ersten Blick eher leicht und fluffig. Beim Arbeitsprozess baut er auf die Verbindung von Positiv- mit Negativ-Formen. Vom Ergebnis lässt sich der junge Künstler angesichts des chemischen Prozesses zunächst überraschen.

Die Farbigkeit der Materialien entwickelt sich durch die verwendeten Stoffe. Dazu errichtete er im hinteren Teil des Raumes ein viereckiges Holzgerüst, wo der Guss in aufgehängten Stoffen einige Zeit reifen kann. Aufgrund der Ausdehnung entstehen teils skurrile Keramiken. Ein hellgrüner Kegel wurde etwa in einer Socke gegossen. Flusenbildung bei den an Trichter oder durchlöcherte Wärmflaschen erinnernde Werke sei ihm wichtig. Passend zum Raum schuf Weber zwei in Gips gegossene Säulen. In Röhren experimentiert er mit sich ausdehnendem, nach oben strebendem Schaum. Aufgrund der Wirkung der Schwerkraft deute er Wachstumsprozesse an, sagt Weber. Weniger einverstanden ist er mit der Assoziation zweier grauer, vierbeiniger Gestalten mit Tieren. Ihn interessiere stärker die Auseinandersetzung mit Architektur, wobei die Pastellfarben an Bauten der Jahrhundertwende erinnern sollen.

Ab Sonntag, 7. Februar, werden die Ergebnisse in der Ausstellung »erect« zu sehen sein, was aufgrund der vorläufigen Schließung der Opelvillen nur über seinen Instagram-Account @marcelfriedrichweber möglich ist.