Main-Spitze, 9. September 2020: Freunde unter einem Dach. »Playhouse« nennt die junge Iranerin Anita Esfandiari ihre Installation im Garten der Opelvillen

Von Charlotte Martin – Feinfedrig, gestrichelt und gepunktet laufen schwarz gezeichnete Linien kurvig über den beigen Stoff: Dieser bildet das Dach eines spitzgiebligen, wandlosen Häuschens, umflattert bodenlang sowie als schmale Bahn auch den quadratischen Innenraum. »Playhouse« – »Spielhaus« nennt Anita Esfandiari ihr Kunstobjekt.

Die junge Iranerin, die derzeit an der Städelschule Frankfurt studiert, ist die achte Kunststudentin, die in der Reihe »Schleuse/Labor ausgelagert« eine Installation im Garten der Opelvillen vorstellte. Jenes stoffumspannte Haus, dessen Konstruktion aus schmalen Holzleisten besteht, die durch tönerne Kanten verbunden sind, ist Blickfang und zaubert ein Lächeln in die Augen der Betrachter: Der grazile Bau erinnert an Spielorte der Kindheit, die einen beliebten Treffpunkt mit Freunden abgaben – »Playhouses«, »Spielhäuser« sind auch heute noch in Kindertagesstätten zu sehen.

Der Bau von Anita Esfandiari aber hat nichts von einem kindlichen Versteck an sich – von allen Seiten weht der Wind durch, als möge er Freunde aus aller Welt unter diesem Dach zusammenführen. Das Häuschen ist gut einzusehen und auch von Innen erlaubt es Ausblick: Da fällt der Blick auf eine Zeichnung, die, festgezurrt in der Buchsbaumhecke, ein Mosaik aus blauen und rosa Kästchen bildet, durchzogen von einer geschwungenen Linie, die sich als gewundene Straße ohne Anfang und Ende dahinschlängelt. Auch hier stellt die schwarze Linie ein getupftes, gestricheltes, fedrig feines Muster dar.

Anita Esfandiari sagt: »Am Anfang der Installation stand die Zeichnung. Sie ist aus kleinen rosa und blauen Zetteln zusammengefügt, auf denen ich während der Uni-Video-Konferenz den jeweiligen Sprachduktus, die Atmosphäre, Laute und Wortklang in Linien abzubilden begann. Dies geschah intuitiv.« Später habe sie dann viele dieser kleinen Zettel mosaikartig zum Bild zusammengefügt, wobei die Linie eine lange, kurvige Straße gleich einem gewagten Pass über die Alpen bildete. Mit dem Finger lässt sich der heikle Weg spielend leicht nachfahren. Doch wo führt er hin, wo kommt er her?

Esfandiari dreht sich um und weist zum »Playhouse« hin: »Auf dem beigen Stoff habe ich die Muster übernommen und fortgesetzt. Es gibt noch Leerstellen. Alle Wege führen alle Freunde aus allen Richtungen unter dasselbe Dach.« Tatsächlich beinhalte das Häuschen auch für sie Erinnerungen an Kindertage: »Ich studiere seit zwei Jahren in Deutschland, weit weg von Teheran. Das Playhouse verbindet mich gedanklich mit alten und neuen Freunden. Es ist ein Haus, das früher Spielplatz war.« Einzutreten erscheint verlockend.