Offenbach Post, 4. Juni 2020: Kunstvoll kurvender Mähroboter HfG-Studentin Anna Hofmann eröffnet Sommerreihe der Opelvillen

Von Eugen El – Stoisch vor sich hinsummend zieht ein Mähroboter seine Bahnen. Kunstvoll umkurvt er dabei bunte Ton- und Gipsskulpturen, die auf dem Rasen arrangiert sind. Einige ahmen, ums Vielfache vergrößert, Büroklammern nach. Andere Objekte wiederum stellen rotbäckige, kurzbeinige Fabelwesen dar, die an Herz-Emojis oder an Cartoon-Figuren denken lassen. Die Szenerie im Garten der Rüsselsheimer Opelvillen ist ein begehbares Kunstwerk von Anna Hofmann. Die 37-Jährige studiert Illustration an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Die eigens für die Opelvillen entwickelte Installation bildet den Auftakt zur siebenteiligen Sommerreihe „Schleuse/Labor ausgelagert“. Im zweiwöchigen Turnus werden Studierende der Kunsthochschulen in Offenbach, Frankfurt und Mainz sonntags ihre Arbeiten im Grünen rund um die Opelvillen präsentieren und sich Besucherfragen stellen. Hofmann stellte ihr Werk am Pfingstsonntag vor.

Ihre Installation hat die HfG-Studentin „Serviervorschlag“ betitelt. „Ich finde den Begriff schon lange interessant“, sagt sie. Es gehe darum, dass etwas schick aussehe, schöner als in der Wirklichkeit. Hofmann denkt dabei auch über konventionelle und soziale Medien nach. Sie fragt sich: Worüber wird berichtet? Was findet einen Weg in die Öffentlichkeit? Hofmanns Werke illustrieren ihre Gedanken nicht direkt, es lassen sich aber abstrakte Analogien und Bezüge zu ihren Überlegungen erkennen. „Ich finde ihn ganz passend“, sagt Hofmann etwa über den von ihr künstlerisch aufgewerteten Mähroboter. Er schneide und kürze Gras, zensiere also gleichsam. Einige, mit einem Kabel abgegrenzte Abschnitte des Gartens umfahre er aber: „Ganz so frei ist er nicht.“ Auch die in Häufchen, aber auch einzeln vorkommenden Büroklammern haben einen festen Platz in Hofmanns Ideenwelt: Sie beschäftige sich künstlerisch mit dem Archivieren, sagt die Studentin.

Die lackierten, bemalten oder besprühten Ton- und Gipsobjekte wirken zunächst unbedarft, als wären sie einem Zeichentrickfilm für Kinder entsprungen. Es fehlt ihnen aber das Liebliche. „Ich mag es generell, Sachen schlaffer darzustellen, als sie eigentlich sind“, erläutert Hofmann. Die eingangs erwähnten, herzförmigen Fabelwesen tauchen in unterschiedlichen Ausprägungen an mehreren Orten im Garten der Opelvillen auf.

Der aufmerksame Betrachter kann hier und dort einen Amor mit Pfeil und Bogen entdecken. „Love is“ ist auf einem der Objekte zu lesen: eine Reminiszenz an die gleichnamige, bekannte Cartoon-Reihe der Neuseeländerin Kim Casali. Ein Herz prangt auch auf dem Mähroboter, der manchmal sichtlich Mühe hat, der Künstlerin, ihrem Hund und den Besuchern der Opelvillen auszuweichen.

Die Installation „Serviervorschlag“ ist noch einmal am Sonntag, 7. Juni von 10 bis 18 Uhr im Garten der Opelvillen Rüsselsheim zu sehen. Eintritt frei. Die Künstlerin ist anwesend.