Offenbach Post, 4. Oktober 2020: Auf Augenhöhe mit Hund und Katze

Von Eugen El – Die Künstler bewegen sich auf allen vieren. Das Duo Alex Bailey und Krõõt Juurak hat im August eigens für Hunde und Katzen in Rüsselsheim und Umgebung performt. Bailey und Juurak nahmen die Perspektive ihres Publikums ein. Sie versuchten, mit den Haustieren auf Augenhöhe zu interagieren. Auch wenn manche Hunde und Katzen eher verhalten reagierten, ist es ein Vergnügen, die Videodokumentation der eigentümlichen »Performances for Pets« zu betrachten.

Sie ist in den Opelvillen in der Ausstellung »Kunst für Tiere« zu sehen. Die Schau versammelt künstlerische Positionen, die sich der Beziehung zwischen Mensch und Tier nähern – und dabei vor allem dem Tier zugetan sind. »Es geht darum, die Blickrichtung zu verändern«, sagt Kuratorin Beate Kemfert. Die Ausstellung ist zugleich Teil des Kooperationsprojekts »Artentreffen.«

In manchen Werken kann man kaum zwischen Mensch und Tier unterscheiden. So lassen die Vögel, die Roni Horn in Rückansicht aufgenommen hat, im ersten Augenblick etwa an weibliche Haarpracht denken. Erst beim genauen Hinsehen ist Gefieder zu erkennen. Auch andere Künstler der Ausstellung setzen Tiere groß in Szene. So hat die Frankfurterin Gabriele Muschel monumental wirkende Porträts von Organ-Utans gezeichnet, die sie auf einer Forschungsreise fotografier hatte.

Zwei großformatige Fotobildnisse eines Hundes begrüßen den Besucher der Ausstellung. Es ist Rosemarie Trockels Hündin Hannah – von der Künstlerin in Profilansicht und frontal porträtiert. Die Fotografien sind auch in einem 1993 publizierten Künstlerbuch mit dem Titel »Jedes Tier ist eine Künstlerin« zu sehen – eine Anspielung auf Joseph Beuys‘ berühmten Ausspruch »Jeder Mensch ist ein Künstler«.

Von Tieren gemachte Kunstwerke sind tatsächlich auch zu sehen: zum Beispiel die abstrakten Skulpturen, die aus der Nachkriegszeit stammen könnten. Sie entpuppen sich als Salzlecksteine aus dem Frankfurter Zoo. Der Künstler Jan Schmidt hat sie in Bronze abgießen lassen. »Das Tier war der Akteur, der Künstler war der Übersetzer«, erläutert Beate Kemfert. Die Akteure waren in diesem Fall ein Elch, eine Ziege, ein Zebra, eine Giraffe und eine Bongo-Antilope.

Eine einfache, aber wirksame Methode, auf die Perspektive der Tiere aufmerksam zu machen, hat Dominika Bednarsky gefunden. Die Künstlerin, die an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung studiert, hat 150 Nacktschnecken aus Keramik geformt. Die Tierskulpturen werden auf dem Boden präsentiert, um sie herumzutänzeln ist geboten. Diese Übung könnte dann auch im Alltag einigen Schnecken das Leben retten.