Rüsselsheimer Echo, 10. August 2020: Denken wie eine Katze. Das Künstlerpaar Krõõt Juurak und Alex Bailey widmet sich der Beziehung zwischen Mensch und Tier

Von Susanne Rapp – Tiere sind ein wichtiger Teil des menschlichen Lebens. Als Begleiter, als Ernährer und als Spielgefährten. Auch die Kunst widmet sich vermehrt der Beziehung zwischen Tier und Mensch. So auch das Künstlerpaar Krõõt Juurak und Alex Bailey, das zum Weltkatzentag am Samstag seine Performance »How to watch a Performance like a cat« in den Opelvillen aufführte.

Katzenbesitzer kennen das Verhalten ihrer Vierbeiner. Den oft desinteressierten Gesichtsausdruck, das minutenlange Starren auf eine Stelle, an der sich, nach menschlichem Ermessen eigentlich nichts Interessantes befindet. Das in Wien lebende Performancepaar stellt die Frage, wie eine Performance aussehen sollte, um für eine Katze als Beobachterin interessant zu sein. Selbst hat das Paar keine Haustiere, sammelte jedoch durch genaue Beobachtungen der Tiere von Freunden und in Katzenvideos im Internet Kenntnisse über typisches Katzengebaren.

Doch es geht noch einen Schritt weiter. Während der rund zehnminütigen Performance wird Mensch dazu aufgefordert, sich in die Situation einer Katze zu begeben. Das beginnt schon damit, dass der menschliche Beobachter nicht stehend, sondern im Sitzen, auf, durch Markierungen auf dem Boden abgegrenzten Bereichen, das Ganze beobachtet. Die Künstler agieren im Zentrum und halten so den gebührenden Abstand zu den Beobachtern.

Geht es um eine Performance für Hunde, so können diese zum Ort des Geschehens gebracht werden. Bei Katzen sieht es anders aus. Diese bleiben in ihrem Zuhause und werden von den Künstlern besucht. Seit vergangenem Montag sind Juurak und Bailey in Rüsselsheim und besuchten bereits einige Katzenwohnungen. Dabei entstanden Filmaufnahmen, die bei der geplanten Ausstellung im Oktober gezeigt werden.

Nicht nu die Perspektive nahe am Boden gehört zur Performance am Samstag. Auch genaue Instruktionen, die den Teilnehmern gegeben werden. Punkt eins der insgesamt zehn Anweisungen sagt: »Do what you want«, und entspricht bestens dem Benehmen einer Katze.

Ebenso passend ist ein weiterer Punkt, der die Zuschauer auffordert: »Wenn es nicht interessant ist, mach ein Schläfchen.« Natürlich könne man auch den Raum verlassen, wenn es nicht gefällt, erklärt Krõõt Juurak. Das würden Katzen schließlich auch tun.

Katzen seien im Übrigen auch absolute Kontrollfreaks. Alles muss erforscht und beschnüffelt werden. Das wissende Lächeln der Anwesenden spricht Bände. Das kennt man schließlich alles zu Genüge. Man hat schließlich selbst so einen Kontrollfreak daheim.

Doch wie muss eine Performance aussehen, für die sich eine Katze interessieren würde? Das »Denken wie eine Katze« beginnt im Nebenraum. Zunächst sind nur typische Katzenstimmen zu hören. Das klingt kein bisschen wie Miau. Die Katzensprache ist vielseitig, kann ein leises Gurren oder ein wütender Schrei sein. Die Künstler gehen auf allen vieren, die Hände zu Fäusten geballt, um Katzenpfoten zu simulieren. Gelangweilte Blicke und keine Blickkontakt zu den »Menschen/Katzen« im Raum. Gelangweiltes sich putzen, die Augen geschlossen, fast meditierend sitzen beide nah beieinander in bequemer Katzenposition. Stoische Langeweile scheint zu dominieren. Und wenn eine Bewegung notwendig ist, dann erfolgt sie ganz langsam. Nur keine Hektik.

So wird die Performance zu einer Augenweide für jeden Katzenbesitzer, der schmunzelnd wiedererkennt. Allein die Katzenohren, die ein weiterer wichtiger Faktor sind, um das Befinden einer Katze zu deuten, fehlen. Alles andere wird perfekt von den Künstlern nachgeahmt.

Seit sechs Jahren treten die gebürtige Estländerin Krõõt Juurak und der Engländer Alex Bailey mit ihren »Performances for Pets« auf. Mehr als Zweihundertmal gab es international Aufführungen für Haustiere. Unter anderem in Zürich, Brüssel, Berlin, Bristol und in den USA. Dabei gehören neben Katzen und Hunden auch andere Haustiere wie Mäuse, Ratten, Hasen oder Schweine zu den nachgestellten Tieren, von deren Verhalten viel gelernt werden könne, so die Künstler.

Ihre Arbeit wird auch Teil der neuen Ausstellung der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen sein. Vom 4. Oktober bis 17. Januar wird die Ausstellung »Kunst für Tiere« zu sehen sein.