Rüsselsheimer Echo, 12. August 2020: Diese Installation sorgt für Ordnung. Timon Sioulvegas stellt im Garten der Opelvillen aus

Von Daniela Hamann – Das weiße längliche Konstrukt sticht sofort ins Auge, wenn man den Garten der Villa Wenke betritt. Es wurde an ein Regenrohr gleich neben die graue Wand, die an den Garten grenzt, gestellt. So wirkt es – selbst wie ein Rohr geformt, wie eine Verlängerung des baulich bereits integrierten Elements in der Wand. Der erste Abschnitt der Installation steht auf einem großen umgedrehten V, der Rest wird von zwei kleineren umgedrehten Vs gehalten – oder so war es zumindest gedacht.

Mit seiner Installation will Timon Sioulvegas am Sonntag den Garten der Villa Wenke vervollständigen, erzählt er bei der Vorstellung seines Kunstwerks. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe »Schleuse/Labor ausgelagert.« Sioulvegas ist am Sonntag bereits der sechste junge Künstler, der seine individuell auf den Garten abgestimmte Arbeit präsentiert. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern stellt er jedoch nicht auf der großen Wiese hinter den Opelvillen aus.

Mit einem kleinen Problem hat Sioulvegas dann am Vorabend zu kämpfen. Seine Installation besteht nämlich, neben einem Drahtgerüst, aus Wachs. Da es sehr heiß ist, beginnt das Wachs bei der Aufstellung am Samstagabend zu schmelzen. Die Installation verzieht sich. »Ich musste improvisieren«, erzählt Sioulvegas, der in Offenbach Kunst studiert und sich speziell auf eine Teilnahme an »Schleuse/Labor ausgelagert« beworben hat. So nahm er kleine Kästchen, um die Arbeit vom weiteren Durchhängen durch das schmelzende Wachs zu schützen.

Denn grundsätzlich sei das Ziel seines Kunstobjekts, Ordnung in den Garten der Villa Herrmann zu bringen. »Ich habe mir den Garten im Vorfeld angesehen und fand, so wie das Rohr da aus der grauen Terrassenwand kam, da stimmte etwas nicht. Gleichzeitig ist es ja aber auch so, dass sich der Garten, also die Natur, gegen Ordnung wehrt. Das konnte man dann gestern Abend im Falle des Wachses sehen«, berichtet der Kunststudent, nachdem er etwas verspätet in Rüsselsheim eintrifft. Er hat nämlich verschlafen, weil er, wie er sagt »bis spät in den Abend am Problem des schmelzenden Wachses gearbeitet hatte.«

An das Ende seiner Installation hat Sioulvegas eine Pflanze, um genau zu sein eine Goji-Beere, gestellt. »Das ist ein Gewächs, das oft nur als Unkraut angesehen und herausgerissen wird. Hier will ich zeigen, wie diese Pflanze durch mein Objekt wächst und gedeiht und so an Wichtigkeit gewinnt.«

Das nicht wirklich hitzebeständige strahlend weiße Wachs habe er als Material gewählt, um auf die merkwürdige räumliche Situation im Garten hinzuweisen, so der Kunststudent weiter. Dabei übernehme das Objekt zum großen Teil eine funktionelle Aufgabe und sei nur als zeitweise Lösung gedacht.

Seit 2018 studiert Timon Sioulvegas in Offenbach Kunst. Zunächst beschäftigte er sich vor allem mit Plastiken und Skulpturen. »Nun möchte ich mich mehr der Malerei widmen, denn da habe ich noch einigen Lernbedarf. Im Idealfall kann ich nach dem Studium als freiberuflicher Künstler tätig sein«, sagt Sioulvegas. An der frischen Luft und mit genügend Abstand tauscht er sich dann im Verlauf des Tages mit vielen Kunstinteressierten aus. Dabei wird nicht nur dem Wachs ziemlich heiß.