Rüsselsheimer Echo, 12. Mai 2020: Einbahnstraße durch die Ausstellung

Von Maraike Stich – Opelvillen sind seit Sonntag wieder geöffnet – Maximal 20 Besucher

“Es müsste gut klappen, wir sind auf Ihr Feedback gespannt.” Mit diesen Worten entlässt Beate Kemfert die zweite Besuchergruppe des ersten Tages nach Wiedereröffnung in die Ausstellung. Die Chefin der Kunst- und Kulturstiftung hat es sich heute zur Aufgabe gemacht, alle Besucher persönlich zu begrüßen und auf die neuen Verhaltensregeln hinzuweisen. Das tut sie mit einem Strahlen im Gesicht. Weil das wegen der Maske nicht so gut zu erkennen ist, trägt sie heute einen leuchtend roten Rock. “Der Rock hat auf diese Gelegenheit gewartet”, sagt sie, normalerweise bevorzuge sie gedeckte Farben.

Zusammen mit dem Haustechniker Björn Erpenbach und Rosemarie und Hans Jürgen Arndgen im Service will Kemfert heute beobachten, wie das geplante Sicherheitssystem im Realitätstest funktioniert. “Wir haben uns streng an die Vorgaben des Landes und der Stadt gehalten”, beteuert sie. Haustechniker Erpenbach habe alles vor Ort umgesetzt, “ich selbst habe dann TÜV gespielt”. Zu diesem Zweck sei sie mit Gästen probeweise die ganze Ausstellung durchlaufen. Danach habe man noch ein paar Pfeile für die Wegführung ergänzt.

Eines sei ihnen besonders wichtig gewesen, “der Besucher muss nichts anfassen”. Deshalb stehen heute alle Türen offen, und die Vorhänge vor den Videoräumen sind mit Klebeband zusammengerafft. Die Handläufe würden regelmäßig desinfiziert. Auch jetzt ist ein leichter Duft von Desinfektionsmittel in der Luft. Außerdem sorge man zusätzlich für einen starken Luftstrom. “Die Besucher können sich bei uns sicher fühlen”, sagt Kemfert – und ihr Haustechniker nickt zustimmend.

Maximal 20 Besucher gleichzeitig dürfen in die Ausstellung, sie bewegen sich quasi auf einer Einbahnstraße durch das Haus, das sie am Ende über die Terrasse des Restaurants verlassen. An einem normalen Sonntag habe man um die 100 Besucher. Da sich diese über den ganzen Tag verteilten, müsste sich die maximale Besucherzahl von 20 Personen gleichzeitig ohne große Wartezeiten umsetzen lassen, ist Kemfert überzeugt.

Für die nächsten Wochen habe man beschlossen, nur sonntags zu öffnen. Das sei traditionell der Tag mit den meisten Einzelbesuchern. “Unter der Woche haben wir mehr gebuchte Führungen und museumspädagogische Angebote”, erklärt Kemfert, und die seien derzeit noch nicht erlaubt. Als sie im Kalender an der Kasse all die abgesagten Veranstaltungen gesehen habe, sei ihr zum Heulen zumute gewesen, gesteht sie. Die aktuelle Ausstellung “Liebesgrüße aus Havanna” habe man bis zum 20. September verlängert, die geplante Schau “Kunst für Tiere” kurzerhand in den Außenbereich verlegt, so dass dann zwei Angebote parallel stattfinden werden.

Das Sommerfest müsse zwar ausfallen, die Präsentation der Arbeiten von Studenten im Garten, die sonst immer Teil des Festes war, werde man trotzdem organisieren. “Wir holen die jungen Leute scheibchenweise, einen nach dem anderen”, sagt Kemfert. Somit werde im Sommer auch im Außenbereich immer etwas für die Kunstfreunde geboten sein. Am Nachmittag erfahren wir von Beate Kemfert, dass bis dahin etwa 40 Besucher gekommen sind.

“Die Menschen haben es genossen, mal wieder andere Gedanken zu haben”, freut sie sich. Manche hätten sich im Anschluss einen Kaffee zum Mitnehmen aus dem benachbarten Restaurant geholt und sich damit rausgesetzt. “Alles, was wir uns überlegt hatten, wurde beachtet”, berichtet Kemfert. Der respektvolle Umgang der Besucher mit der besonderen Situation habe alle in den Opelvillen zum Strahlen gebracht.

Über die weiteren Öffnungen werde man auch in enger Absprache mit dem benachbarten Restaurant entscheiden, sagt die Museumschefin auf die Frage nach dem weiteren Vorgehen. Auf der Homepage könne man sich immer über den aktuellen Stand informieren.