Rüsselsheimer Echo, 13. Januar 2021: Verrückte Zeiten auch für die Opelvillen

Von Susanne Rapp – Seit sich der Freundeskreis der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim am 17. Juli 2003 gründete, hat das Ausstellungshaus große internationale Beachtung und Anerkennung gewonnen. Zu den zwölf Gründungsmitgliedern kamen in den vergangenen Jahren viele Interessierte hinzu, so dass der Freundeskreis aktuell 225 Mitglieder zählt. Marion Kurtz, selbst Gründungsmitglied und erste Vorsitzende des Freundeskreises, und Kuratorin Beate Kemfert luden nun zu einem Pressegespräch ein, um ein Resümee und einen Ausblick zu geben.

Ein wichtige Mäzen war Professor Reinhold Stenner, der durch seine Förderung der ersten Schau »Exil und Moderne« (2004) einen Grundstein für die folgende Arbeit des Ausstellungshauses legte. Am 21. Dezember des vergangenen Jahres starb Stenner im Alter von 84 Jahren. Seine Frau und seine Tochter engagieren sich auch weiterhin für den Freundeskreis.

Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement sei die erste Ausstellung mit millionenschweren Leihgaben nicht zustande gekommen, unterstreicht Kuratorin Kemfert. Wie wichtig gerade diese Schau war, umschreibt sie mit den Worten: »Sie war Grundstein für Strahlkraft und Internationalität der Opelvillen.« Der Erfolg der Ausstellung in 2004 führte zu neuen Partnern und viel Aufmerksamkeit. Sie war zudem ein guter Schub für den Freundeskreis, da viele neue Mitglieder gewonnen wurden.

Das Hauptvorhaben des Freundeskreises seit seiner Gründung ist die Erhaltung der Opelvillengebäude. Ein Höhepunkt waren die jährlichen Kunstreisen der Freunde, die seit 2005 Ausstellungen in vielen Ländern besuchten. Auch Feste wurden gefeiert, es gab lockere Zusammentreffen, Freundschaften entstanden, und gute Gespräche wurden geführt, so die Vorsitzende Marion Kurtz.

Es sei immer darum gegangen, eine breite Klientel anzusprechen. Das sei auch in großen Teilen gelungen. Neben dem Mitgliedsbeitrag von 100 Euro unterstützen die Mitglieder des Freundeskreises auch durch Arbeiten die Erhaltung der Opelvillen und des umliegenden Grundstücks. So wurde 2013 der Garten saniert. 2019 nahm man sich der Ausstattung des Wintergartens an, bei der es darum ging, die Stimmung und Atmosphäre wiederzugeben, wie sie zu der Zeit existierte, als die Villen noch bewohnt waren. Der Wintergarten wurde so wieder zu einem Bereich, in dem man sich gerne aufhält, sich trifft und sich unterhält, erklärt Kurtz. So sei ein Ort entstanden, der die Kommunikation fördere.

Das letzte Fest vor der Pandemie wurde am 5. März zur Kuba-Ausstellung veranstaltet. auch dieses wurde durch den Freundeskreis organisiert, in Anlehnung an das Ausstellungsthema gab es unter anderem auch einen Rum-Stand.

Als Opel sich als Geldgeber im Jahr 2019 zurückzog, veranstaltete der Freundeskreis eine Spendenaktion unter dem Motto »Starke Freunde« und konnte rund 30 000 Euro einnehmen. Christa Stenner, die Gattin des kürzlich gestorbenen Reinhold Stenner, rundete den Betrag auf, so dass eine Summe von insgesamt 40 000 Euro zusammenkam. »Das hat uns gerettet«, freut sich die Kuratorin und fügt an, dass von 2021 an die finanzielle Lücke durch den städtischen Haushalt geschlossen werde.

Die Mitglieder der Freundeskreises kommen aus der ganzen Region, sind also nicht nur Rüsselsheimer. Einige seien auch weggezogen, würden aber nie ihre Mitgliedschaft kündigen, sagt Kemfert.

In Zeiten der Pandemie ist das Planen schwierig. »Wir wollen wieder eine Reise machen«, lautet der allgemeine Wunsch. Nur wie und wohin, ist noch ungewiss. Innerhalb von Deutschland eine Ausstellung besichtigen, so könnte es funktionieren.

Auch das Projekt »Schleuse/Labor ausgelagert« wird weitergeführt. Mehr als 100 Kunststudenten haben sich beworben. Das Projekt, mit dem die Stiftung Opelvillen Nachwuchskünstlern eine Plattform bietet, wird auch dieses Jahr wieder im Freien stattfinden.

Am Sonntag, 17. Januar, endet die aktuelle Ausstellung »Kunst für Tiere« und weicht Fotografien aus den Jahren 1940 bis 1946 von Lee Miller mit dem Titel »Hautnah«. Ofizielle Ausstellungseröffnung wird am Sonntag, 7. Februar, sein. Wann sie jedoch für Publikum geöffnet sein wird, steht noch nicht fest. »Vielleicht Ostern«, hofft Kemfert.

Die Ausstellung »Kunst für Tiere« war auch nur im Oktober für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch seien Kita- und Schülergruppen zu Besuch gekommen und hätten sich begeistert gezeigt. Um all jenen, die diese Schau nicht sehen konnten, eine Möglichkeit zu geben, wird es vom 22. August an eine Wiederaufnahme geben, die bis Januar 2022 dauern soll. Eine Verlängerung sei nicht möglich gewesen, erklärt Kemfert. »Die Zeiten sind irrsinnig. Nur so begründet sich der Irrsinn, alles ab- und wieder aufzubauen«, lautet ihr Resümee.