Rüsselsheimer Echo, 16. Juni 2020: Ein kleines Stück Havanna. Kubanische Klänge verzaubern das Publikum auf den Mainterrassen der Opelvillen

Von Susanne Rapp – Passend zur aktuellen Ausstellung »Liebesgrüße aus Havanna« in den Opelvillen trat das Musikerduo Alfredo und Clarissa Hechavarria am Sonntag auf den Mainterrassen der Opelvillen auf. Der kubanische Gitarrist Alfredo Hechavarria widmete sich, begleitet von seiner Frau, der Jazzsängerin Clarissa Hechavarria, der traditionellen Musik seiner Heimat ebenso wie dem einen oder anderen musikalischen Leckerbissen, dessen Wurzeln nicht Kuba sind.

Man habe viel telefoniert mit »da oben«, um sicherzustellen, dass das Wetter hält, sagte die Kuratorin der Opelvillen Beate Kemfert gut gelaunt und erinnerte sich, dass man bei der Planung des Konzertes vor einigen Monaten noch daran gedacht habe, bei sommerlichen Temperaturen Mojitos, den Cocktail-Klassiker aus Kuba, zu servieren. »Endlich wieder ein Konzert nach Monaten des Schweigens und der Isolation«, sagte sie und sprach dabei wohl die Empfindungen der Gäste laut aus.

Aufgrund der Abstandsregelungen konnte nur eine begrenzte Zahl an Besuchern am Konzert teilnehmen. Das war auch der Grund dafür, dass an diesem Sonntag statt nur einmal gleich dreimal hintereinander konzertiert wurde. Das Interesse war jedoch so groß, dass nicht alle Eintrittskarten bekamen. Kemfert verwies deshalb darauf, dass es wohl bald noch ein Konzert mit dem Duo geben werde.

Der begnadet spielende Gitarrist Alfredo Hechavarria begann mit zwei Eigenkompositionen, die seine Sehnsucht nach der Heimat Kuba und den Menschen, die er dort zurückließ, ausdrückte. Melancholie klang im Duett von Stimme und Instrument durch, das wie eine Art Zwiegespräch anmutete.

Erst beim dritten Titel gesellte sich Clarissa Hechavarria zu ihrem Mann und erzählte, als sie von der Ausstellung erfuhr, seien bei ihr viele Erinnerungen hochgekommen. Havanna sei, auch wenn es sehr verkommen sei, eine der schönsten Städte für sie. Kuba ohne Musik und Tanz könne sie sich gar nicht vorstellen. Und auch dort hofften alle darauf, dass bald wieder die Normalität einkehre.

Und wenn Kubaner eines könnten, dann Liebeslieder schreiben, fügte sie an und begann mit dem sehr bekannten Titel »Quiéreme Mucho«, wobei die Jazzsängerin die Kraft ihrer Stimme zu Gehör brachte.

Während die offiziellen Gäste auf ihren Stühlen saßen, schlossen sich stehend und für den einen oder anderen Titel verweilend auf dem Mainweg Fußgänger und Radfahrer begeistert der musikalischen Darbietung an, bevor sie ihren sonntäglichen Ausflug fortsetzten.

»Classical Gas«, eine Komposition von Mason Williams und in den 70er Jahren sehr bekannt, bot die erste Ausnahme des Nachmittags. Clarissa Hechavarria erklärte auch, warum dem so ist. Der Gitarrenlehrer ihres Mannes habe ihm zu dem Stück erklärt, das müsse er spielen, auch wenn es von einem Amerikaner komponiert worden sei. Dies spricht für den hohen kompositorischen Wert des Stückes. Gilt der kapitalistische Amerikaner in Kuba doch schließlich als Feindbild.

Neben wunderbaren und oft auch bekannten Klängen kubanischer Musikkultur widmete sich das Duo auch einer Komposition von Sting, der mit seinem Stück »Fragile« bestens in die aktuelle Zeit passt, auch wenn die gespielte Variante am Sonntagnachmittag rein instrumental war.

Das Duo produzierte in den vergangenen Monaten Videos und Livestreams, statt aufzutreten. Auch die Vorstellung der neuen CD, die für März angesetzt war, musste ausfallen. Diese konnte am Sonntag käuflich erworben werden. Seine klassische Gitarrenausbildung bewies Alfredo Hechavarria schließlich mit seiner Zugabe, bei der er »Air« von Johann Sebastian Bach vortrug und damit einmal mehr sein Publikum begeisterte.