Rüsselsheimer Echo, 2. Juni 2020: Staunen über geflügelten Rasenmäher

Von Maraike Stich – Anna Hofmann präsentiert ihre Installation

“Ich wollte schon immer mal etwas zum Thema Serviervorschlag machen”, sagt Anna Hofmann. Die Diskrepanz zwischen dem, was unter diesem Titel gezeigt werde, und dem, wie man es im realen Leben umsetze, interessiere sie. Als Beispiel nennt die Studentin die Bilder von prächtig mit farbenfrohen Gemüsen und anderen Zutaten gefüllte Pitabrote, die als Serviervorschlag auf der Verpackung der Weizenfladen gezeigt würden. “Wenn ich die mir dann selbst fülle, sieht das nie so schön aus”, stellt sie fest.

Während sie von ihrer Arbeit erzählt, steht sie inmitten derselben. Auf einem abgegrenzten Areal im Garten der Opelvillen zieht ein Rasenmäher-Roboter seine Runden. Dass er Teil der Inszenierung ist, erkennt man an den angeklebten Flügeln. Auf seinen Wegen stößt der Mäher immer wieder auf Ansammlungen kleiner getöpferter Objekte, die hier verteilt sind. Herzen und Büroklammern sind es in der Mehrheit, die aussehen wie Töpferarbeiten aus Kinderhand.

Das Thema Medien und Archivierung haben sie beschäftigt, sagt Hofmann. Was werde geliked und somit präsenter und was verschwinde wieder? Und welche Teile der Archive würden ganz unter Verschluss gehalten? Der Rasenmäher sei auch ein Symbol für Zensur.

Die 37-Jährige ist erst auf dem zweiten Bildungsweg zur Kunst gekommen. Nach einem Studium der Sozialpädagogik habe sie erkannt, dass sie Kunst machen wolle. Mittlerweile steht sie kurz vor ihrem Diplom an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Danach möchte sie als freie Künstlerin arbeiten.

Opelvillen-Kuratorin Beate Kemfert sieht in der Arbeit einen Bezug zur Corona-Krise. “Wir hatten plötzlich einen unheimlichen Druck, digital zu werden”, erklärt sie. Auf einmal sei es wichtig geworden, viele Likes zu bekommen. Es sei gar nicht so leicht, mit diesem Erwartungsdruck umzugehen. Als Kunsthistorikerin habe sie beim Rasenmäher mit Flügeln an Götterbote Hermes denken müssen. Das Amorbild wiederum, auch ein Teil von Hofmanns Arbeit, habe sie an das Amorrelief an der Stuckdecke im Durchgang zwischen den Opelvillen erinnert.

Interessiert betrachten zwei Besucherinnen das Kunstwerk. “Ich hätte nichts damit anfangen können, wenn die Künstlerin es nicht erklärt hätte”, gesteht Renate Waibler. Nun könne sie es ein bisschen nachvollziehen. Schön im klassischen Sinne sei es nicht, aber es habe mit unserer Zeit zu tun. “Es ist eine andere Generation, das wird sehr deutlich”, ergänzt ihre Begleitung. Da sei eine Erläuterung schon wichtig, dann sei es aber sehr anregend, versichert Eveline Hermann.

Wer sich die Installation selbst anschauen möchte, kann das am nächsten Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr tun. Die Künstlerin wird auch dann wieder da sein.

Im Juni werden die Opelvillen ihre Öffnungszeiten erweitern. Dann wird neben den bisherigen Öffnungszeiten sonntags von 10 bis 18 Uhr, auch samstags zwischen 14 und 18 Uhr offen sein. Über den ganzen Sommer hinweg werden ausgewählte Kunststudenten nacheinander ihre Arbeiten im Außengelände der Opelvillen zeigen.