Rüsselsheimer Echo, 21. September 2020: Tiere werden zum Kunst-Thema. 40 Mädchen und Jungen zeigen ihre Werke am Weltkindertag

Von Daniela Hamann – »Die Ozeane vor Plastik schützen« steht auf einem Bild. »Vögel aus ihren Käfigen befreien« auf einem anderen Werk, das am Sonntag im Garten der Opelvillen ausgestellt ist. Nicht nur Bilder sind bei der Ausstellung zu sehen. Es gibt auch allerlei Kunstwerke und sogar eine Performance. Das Besondere: Alle Exponate und Vorführungen wurden von 40 Kindern angefertigt und vorbereitet. Sie haben die Ausstellung kuratiert und werden sie im kommenden Monat zudem fachgerecht dokumentieren. Alle Exponate sind als Teil des Weltkindertages von 12 bis 17 Uhr zu sehen.

»Wir haben mit den Kindern im Juli und im August je eine Woche außerschulische Workshops an der Grundschule Innenstadt und an der Immanuel-Kant-Schule durchgeführt«, berichtet Beate Kemfert vom Vorstand der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen. Zunächst haben die Kinder dabei die »Performance for Pets« der Künstler Kroot Juurak und Alex Bailey gesehen. Hierbei geht es um einen Perspektivwechsel, erklärt Kemfert, die die Idee für den Workshop hatte und den Kindern im Verlauf viele Impulse gegeben hat. Die Vorstellung von Juurak und Bailey diente den Kindern dann als Anstoß, um sich selbst praktisch anhand des Themas Tiere mit der Kunst zu befassen.

Waji, Eaya und Adam haben zum Beispiel in den Workshop Video- und Fotoproduktion hineingeschnuppert. Hier haben sie gemeinsam mit den Leitern des Workshops kleine Filme zu den verschiedenen Perspektiven von Tieren gedreht. Gezeigt wird das Resultat am Sonntag auf einem Flachbildschirm-Fernseher, der an die Wand einer der beiden Opelvillen gelehnt steht. Zu sehen sind beispielsweise die Perspektiven von Pferden, die einen blinden Fleck in der MItte ihres Sichtfelds haben, die Sichtweise von Vögeln auf ihre Umgebung oder eine Sequenz, die deutlich macht, wie Schlangen die Umgebung wahrnehmen. Stolz sitzen sie drei Kinder vor dem Bildschirm und sehen sich das Ergebnis ihrer Workshop-Teilnahme an.

»Bevor die Kinder praktisch an die Kreation ihrer Werke gegangen sind, haben wir mit ihnen Spaziergänge durch die Parks der Stadt gemacht. Dabei haben wir bewusst nach den Lebensräumen der verschiedenen Tierarten geschaut«, berichtet Tina Bree, die bei dem außerschulischen Angebot ebenfalls als Impulsgeberin für die Kinder bereitstand und am Sonntag gemeinsam mit den kleinen Künstlern am Aufbau der Ausstellung arbeitet.

»Die Erkenntnisse, die die Kinder bei den Rundgängen gewonnen haben, waren dann auch für das Kuratorium wichtig«, so Bree weiter. So haben die Kinder anhand der realen Lebensräume entschieden, wo sie ihre Bilder und Skulpturen im Garten der Opelvillen aufbauen. Ihren Chinchilla hat eine kleine Künstlerin ganz bewusst neben Steine positioniert.

Bei der Erstellung ihrer Werke haben die Kinder mit vielen Materialien wie Acryl, Pappmaschee, Stoff, Filz oder Holz gearbeitet. Das Thema der Tierperspektive entwickelten die Nachwuchskünstler im Laufe der Workshops weiter in den Bereich Umweltschutz und Klimawandel hinein. So ist die Performance eine Simulation der Fridays-for-Future-Demonstrationen. »Die Kinder kamen selbst auf diese Idee. Das zeigt, dass sie diese Problematik sehr bewegt«, stellt Bree fest. Entstanden sind auch einige bunt gestaltete Insektenhotels. Ein Bild fordert, das Bienensterben aufzuhalten.

Selbst vor der aktuellen Pandemie hat die Kreativität der Kinder nicht Halt gemacht. Das Ergebnis sind farbig und fantasievoll angemalte Masken, die die kleinen Künstler gut sichtbar in einem der Bäume im Garten der Opelvillen drapiert haben.

Die Ausstellung der Kinder markiert die Finissage der aktuellen Ausstellung »Liebesgrüße aus Havanna.« Das Thema Tiere wird dann in der kommenden Ausstellung »Kunst für Tiere«, die vom 4. Oktober an zu sehen sein wird, wieder aufgenommen.