Rüsselsheimer Echo, 22. September 2020: Realitätsreflexion zum Abschluss. »Schleuse/Labor ausgelagert« endet mit Videoinstallation

Von Susanne Rapp – Mit der Ausstellung einer Installation der Kunststudentin Sonia Knop endete vergangenen Sonntag das Gartenkunstprojekt »Schleuse/Labor ausgelagert« in den Opelvillen. Seit Ende Mai war jungen Künstlern alle 14 Tage im Garten die Möglichkeit gegeben, der Öffentlichkeit eine ihrer Arbeiten zu präsentieren.

Am Tag der Präsentation standen die Nachwuchstalente, die Kunst an der Hochschule in Mainz, in Offenbach oder in Frnakfurt studieren, für Fragen von Besuchern bereit. Die Kunstwerke der vorhergehenden Künstler waren im Garten gezeigt worden. Bei der Kunst von Sonia Knop handelte es sich um eine Videoinstallation, die im Wintergarten der Opelvillen zu finden war.

Bei der Installation handelt es sich um einen rund zweieinhalb Minuten dauernden Video, der, als Loop wiederholt, eine Geschichte erzählt. Knop nennt ihr Werk »Halbwelt«. Sie entstand während der Corona-Beschränkungen, erzählt die an der Frnakfurter Städelschule Studierende.

Die Tatsache, dass man in dieser Zeit in den eigenen vier Wänden bleiben musste, habe zu einer Überbetonung fiktionaler Geschichten geführt, so die 25-Jährige. Mit Hilfe unterschiedlicher Medien, ob Handy oder Laptop, wird Zugriff auf Geschichten möglich, die in das reale Leben eindringen. So zeigt das Video einen jungen Mann in seiner Wohnung. Er nutzt sein Mobiltelefon und den Computer, um Informationen zu finden. Ein Schnitt, und der Betrachter sieht Ausschnitte aus dem Film »Zazie in der Metro« von Louis Malle aus dem Jahr 1960. Wieder ist der junge Mann zu sehen, der sich seinem Monitor widmet und darauf ein Gemälde betrachtet. Es zeigt das Gemälde »Thérèse träumend« des Malers Balthus.

Knop zeigt mit ihrer Installation den Zustand der eintritt, wenn der junge Mann in ihrem Video sich mit fiktiven Charakteren beschäftigt und dabei die eigene Realität verlässt. Er ist physisch in seiner Wohnung, mental jedoch nicht.

Die beiden weiblichen Charaktere in Knops Installation sind nicht zufällig gewählt. Denn beide Frauen faszinieren die Kunststudentin, so dass sie selbst viel über sie recherchierte. Das Verhalten beider Frauen ist eher untypisch für ein vorbestimmtes Frauenbild. Zazie, die Titelheldin im Roman von Raymond Queneau, verbringt ein Wochenende bei ihrem Onkel in Paris, wo sie sich neugierig auf die Geschehnisse in ihrem Umfeld stürzt, statt artig den Anweisungen der Erwachsenen zu folgen, wie das ein kleines Mädchen wohl Ende der 50er Jahre tun sollen. Auf Balthus’ Gemälde »Thérèse träumend« sitzt das etwa zwölfjährige Mädchen in ungezwungener Pose mit gespreizten Beinen, so dass ihr Schlüpfer zu sehen ist. Das Gemälde von 1938 wurde stark kritisiert. Von Voyeurismus und der Sexualisierung von Kindern war die Rede. So zeigt auch dieses Gemälde eine junge Frau, die entgegen bestehender Normen gemäß ihrer kindlichen Unschuld agiert, was spätestens in Zeiten von #Metoo zu einem absoluten No-Go geworden ist.

Faszinierend ist auch das Projektionsgerät, mit dem der Film gezeigt wird. Knop hat einen ehemaligen Beistelltisch aus den 70er Jahren umfunktioniert. Auf einer der seitlich angebrachten runden Aussparungen ist der Film zu sehen, der von einem Projektor per Spiegel auf eine Art Leinwand projiziert wird.

Die Kuratorin der Opelvillen Beate Kemfert gab ein rundum positives Feedback über die etwas andere Art der Präsentationen von Nachwuchskünstlern aufgrund der Pandemie ab. Durch die Auslagerung nach draußen sei ganz unterschiedliches Publikum gekommen. Freunde der Künstler, aber auch Passanten, die bei einem sonntäglichen Spaziergang auf die Geschehnisse im Garten aufmerksam wurden, hätten vorbeigeschaut.

Auch für die Künstler habe es viele positive Erfahrungen gegeben. Dass trotz Corona alle zwei Wochen eine Ausstellung stattfinden konnte, hätten auch die Künstler anerkannt. Kemfert hofft, dass es im kommenden Jahr wieder möglich sein wird, junge Künstler und ihre Arbeiten an einem Tag rund um die Opelvillen zeigen zu können, so wie es vor Corona möglich gewesen sei. Denn die Ausstellung an einem Tag zu zeigen, würde der Veranstaltung eine Art Festcharakter geben, der alles zu etwas ganz Besonderem mache.